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Gedichtwettbewerb 2014 mit dem Thema "Schloss" - die Ergebnisse:
1. Jule Liebling Stuttgart "Wie letztens jemand meine Festung stürmte"
2. Babara Zang Höchberg "Luftschlösser"


Den dritten Platz teilten sich:


3. Axel Görlach Nürnberg "nacht wache"
3. Heidi Messner Steinach in Österreich "Schlossgesicht"


Die weiteren Platzierungen bis Platz 10:


4. Muriel Razavi Berlin "Wüstenschloss"
5. Daniela Schicke Aschaffenburg "Relictum Animae"
6. Ulrich Bergmann Bonn "Kein Traum"
7. Andrea Lydia Stenzel Göttingen "HINTER SCHLOSS UND RIEGEL"
8. Apolonia Gottwald Wachtendonk "Der Rosenturm - Ein Sonett"
9. Annabelle Kahmann Wuppertal "Schloss Wolkenburg"
10. Christiane Schwarze Homberg "Der Traum"

An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle 409 Teilnehmer.

Weitere Informationen / Bilder zum Gedichtwettbewerb und der 1. Buchmesse im Schloss in Aschaffenburg finden sie hier und hier.

Und hier die Siegergedichte:


Jule Liebling

"Wie letztens jemand meine Festung stürmte"

 

Ich nahm die Jahre 
auf der Erde 
und die Steine 
in die Hand 

Ich nahm die Scherben 
aus dem Kopf 
und baute 
meine Festung aus Verstand 

Viel Platz 
für leere Räume 
unter weißen Tüchern 
Träume 

In Rüstungen 
aus Wünschen 
kamen sie 
und wollten 

Ich feuerte auf jeden 

Die Tore 
fest verschlossen 
nimmst Du die Steine in die Hand 

und machst 
aus meinen dicken Mauern 
ein Schloss aus feinem Sand 

Nichts hab ich mehr zum Feuern 
Nur Sand, 
der in der Mitte endet und beginnt 

Nur Sand, 
der, wenn ich ihn werfe 
Dich zum Lachen bringt 

Das Lachen 
sickert durch den Boden 
und formt die Scherben rund 

Wozu die Festung? 
Fragst Du nichts ahnend 
nach dem Grund

Babara Zang

"Luftschlösser"

 

Einmal in einem Luftschloss leben 
und dann im Park die blaue Blume ziehn! 
Mit Seifenblasen die Lüfte durchschweben. 
Aus Träumen bunte Teppiche weben, 
groß wie vom Rhein bis nach Wien. 

Auf der Milchstraße einmal Milch einkaufen 
und Hirte auf der Augenweide sein. 
Mit dem eigenen Schatten tanzen und laufen 
und erst am Purzelbaum verschnaufen 
ganz nah bei Wolkenkuckucksheim. 

Beim Tischler einen Lehrstuhl bestellen 
und einen Heil'gen Stuhl noch gleich dazu. 
Mit Glühwürmchen finstere Nächte erhellen. 
Im Bergwerk einmal die Zeche prellen, 
am Fuße blühenden Frauenschuh. 

Und alle alten Zöpfe neu frisieren, 
und öffentliche Hände schütteln gehn. 
Mit Kichererbsen sich toll amüsieren, 
getrübte Blicke blitzblank polieren. 
Und doch mit beiden Beinen fest - 
über den Dingen stehn.

Axel Görlach

"nacht wache"

 

hautatmung 
an den kühl 
stäben des monds 
nacktsilberstill 

ein mord neben 
an stirbt ein 
wort eine letzte 
hoffnung bleibt 

auf der strecke 
vergewaltigt 
verdunkelt 
fällt ein gefühl 

ins schloss 

Heidi Messner

"Schlossgesicht"

 

dieses gesicht 
gleicht einem schloss 
alt, verfallen, grau. 
über die spuren der vergangenheit 
ranken sich efeu und wein 
verdecken, was gewesen. 
voller falten die fassade, 
und der verputz fällt langsam ab. 
zwei warme augen, die 
wie fenster von reicher vergangenheit künden, 
von leben. 
von leben, das nun durch das mauerwerk 
allmählich ausströmt, 
ausfließt durch die nagespuren, 
die der zahn der zeit hineingerissen hat, 
kauend, knabbernd, beständig 
sich hineinschlagend in das warme fleisch 
von türmen und zinnen, 
von dächern und gewölbe. 
auch wenn die fensterläden sich nun bald 
für immer schließen, 
bleibt ein hauch von größe, 
ein luftzug von besonderheit, 
der einst aus diesen mauern strömte 
und sich nun im nichts verliert. 

Muriel Razavi

"Wüstenschloss"

 

Der Staub flüstert 
Lieder wie verzuckerte Datteln 
Aus Mündern mit Perlen gefüllt 
Fasanen mit Juwelen bestückt 
Feen mit Haut aus Elfenbein 
Gepudert in Moschus 
Durch das Knospenmeer 
Zu den Türmen 
Wie Granatäpfel in Gold getaucht 
Mit Lapislazuli-Spitzen 
Die die Milchstraße kitzeln 
Der Mandelkranz 
Beim Harfenklang des Tores 
Hoffnungsschwanger geöffnet 
Wie die Federn des Falken 
Beim Rufe Helios 
Und Löwengebrüll 
Noch eintausend Jahre 
Der Staub flüstert 

Daniela Schicke

"Relictum Animae"

 

letzte Nacht wieder geträumt 
von verfallenem Schloss 
auf hohem Felsenschoß 
mit weißer Gischt umschäumt. 

Ruine der Vergangenheit 
früher strahlend erblüht 
nun vom Wind verweht 
gebrochen durch den Fluch der Zeit. 

In fahles Mondlicht eingetaucht 
thront hier einstiger Glanz 
erahnte noch den letzten Tanz 
vergeblich Leben eingehaucht. 

Suchte Einlass an verschlossenem Tor 
grün bewachsenes Gemäuer 
mein Schatz – mir lieb und teuer 
machte ein wärmendes Feuer davor.

Ulrich Bergmann

"Kein Traum"

 

Bin endlich gestrandet auf Hiddensee 
und suche mein Schloss am Meer 
Wenn ich in Vitte am Hafen steh 
atme ich Bodden und Teer 

Und mitten im Sommer fällt ein Schnee 
auf die Seele im Immermehrland 
Mein Herz es ist kühl im Wind o weh 
an der Küste im Seesternsand 

Und wenn ich hinauf zur Hucke geh 
seh ich hinter den Wellen nichts mehr 
Die letzte Linie wird Idee 
Die See und der Himmel sind leer 

Und mitten im Sommer fällt ein Schnee 
auf die Seele im Immernochland 
Mein Herz es wird kalt im Wind o weh 
unterm Dornbusch am Seesternstrand 

Und über der Sonne fällt der Schnee 
vom Dach des Alls ins Parterre 
Dann falle auch ich aus Luv und Lee 
und geh aus dem Haus am Meer 

Und immer noch Sommer - da fällt der Schnee 
auf mein Herz im Nimmermehrland 
Meine Liebe du fehlst mir im Winterweh 
am Nachtrand im Sternensand 

Am Jenseitsstrand von Hiddensee 
da bin ich nicht mehr so schwer 
Ich fliege weit weg nach Übersee 
und brauch keinen Schlüssel mehr

Andrea Lydia Stenzel

"HINTER SCHLOSS UND RIEGEL"

 

Der Wind pfeift leis durch tausend leere Fenster 
Es riecht nach Schnee und Salz und Eau de Vie 
Jahraus jahrein sitz ich in meinem Turm 
und sehe wie die Zeit verrinnt Die Tage 
gerinnen mir zu Klumpen Stunden bluten 
sich aus seitdem die letzten Drachen tot 
die Prinzen aus dem Land verschwunden sind 

Die Dornenhecke rings ums Schloss ist mit 
dem Zauberer im Bund Sogar den Katzen 
ist nicht zu trauen Die Diener schweigen alle 
Doch in den Nächten fliegt die Eule lautlos 
zu mir herein Sie ist mein treuer Bote 
mein Mitverschwörer und mein Schutzpatron 
Ich sammle heimlich ihre grauen Federn 

Und wenn der Wärter hinter mir die Tür 
versperrt beginne ich mit meiner Arbeit 
Aus Eulenfedern nähe ich mein Kleid 
Ich nähe bis mir meine Finger bluten 
Doch weiß ich dass es nicht mehr lange braucht 
Wenn morgen Nacht der Schlossherr eine Antwort 
verlangt nehm ich das Kleid - und fliege fort

Apolonia Gottwald

"Der Rosenturm - Ein Sonett"

 

Ich blicke in den fernen, weiten Himmel 
der blauen Hoffnung Antlitz gibt mir Kraft 
und doch der Wolken grauer, feiner Schimmel 
er nagt an ihrem tief verborgnen Schaft 

Um meinen alten Turm die Rosen ranken 
mit ihren strahlend schönen weißen Blüten 
und doch sind ihre Stacheln harte Schranken 
die um mein Freiheitsfenster schrecklich wüten 

So gründlich ich mein Zimmer auch durchsuche: 
die Tür versperrt, nur Anblick den ich hasse 
bis endlich ich im Zorn die Dornen fasse 

Und in dem Schmerz, da fühle ich die Schlüssel 
nun blick ich mit den Wangen tränennasse 
den Rosenturm, den leer ich hinterlasse.

Annabelle Kahmann

"Schloss Wolkenburg"

 

Hoch türmen sich Wassermassen 
wippen und wogen durch endlose Gänge 
können ihr Glück noch kaum richtig fassen 
geraten dem Wind in die Fänge. 

Weit würfeln winzige Tropfen 
über Stöcke und Steine durch Wiesen und Wald 
hören das Fauchen das Singen und Klopfen 
für Neugierde wird mit dem Leben bezahlt. 

Sie rasen gemeinsam von Böen geschüttelt 
an Bergen und Bäumen hinunter zur Erde 
die kräftiges Grollen erschüttert 
wer weiß was da kommen werde? 

Tapfere Strahlenkrieger wärmen weise 
die triefende tropfende Weltenerde 
schicken erneut auf die einsame Reise 
die große gewaltige Tropfenherde. 

Von seidenen Fäden gelockt und gewärmt 
von windigen Böen geformt und geleitet 
werden die Mauern aus Nebel umschwärmt 
und von fleißigen Tropfen erweitert. 

Christiane Schwarze

"Der Traum"

 

Am Nachthimmel hängt ein halber Mond. 
Spiegelt sich in Ziegeln fremder Dächer. 
Wärmt seinen Rücken am Kaminrauch. 

Auf Buchstabenfundament erbaut, 
weit über die Wolken hinaus, ein Turm. 
Von seinen Balkonen ertönen Lieder. 
Gedichte wählen Kemenaten mit Sternenblick. 
Geschichten sitzen am Küchenfeuer, essen Eintopf. 
Ein Haiku sucht im Garten vergeblich nach Glühwürmchen. 
Fliederduft kündigt sich an. 
Heimlich verlassen Planeten ihre Umlaufbahn und lauschen. 
Was sind Jahrmillionen des Kreisens, gegen diesen Augenblick! 
Du und ich balancieren auf einem Zeilenseil, 
setzen uns auf einen Mondstrahl. 

Die Wände des Schlosses blicken uns irritiert an. 
Während wir aßen, hatte es Verworrenes geträumt. – 
Das Licht des Mondes, ein fremder Gast. 
Generelle Anfragen bitte an: redaktion@main-reim.de  

 


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