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Literaturwettbewerb 2016 mit dem Thema "Maulaff" - die Ergebnisse:

Sektion Gedichte:


1. Birgit Schaldach-Helmlechner Schlüchtern "Vorstadt-Vorgarten"
2. Birgit Sarembe Kleinwallstadt "Maulaff"
3. Karin Schäufler Kelkheim "Ein Maulaff sitzt am schönen Main"

 

Sektion Kurzgeschichten:


1. Daniela Meier Mindelstetten "Bischöfliche Verstimmung"
2. Melanie Köhler Karlsruhe "Servus"
3. André Schmidt Bayreuth "Der Rest ist Schweigen"

An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an alleTeilnehmer.

Die Kurzgeschichten finden Sie hier und die Gedichte finden Sie hier.

Weitere Informationen / Bilder zum Gedichtwettbewerb und der 2. Buchmesse im Schloss in Aschaffenburg finden Sie hier.

Und hier die Siegertexte:


Birgit Schaldach-Helmlechner

"Vorstadt-Vorgarten"

 

Wenn´s dunkel wird
haben Wände noch spitzere Ohren
reißen die Fenster noch weiter
ihre lästernden Mäuler auf
und weiße Gardinen nehmen
kein Blatt mehr vor den Mund
wenn lange ausgehauchtes Gähnen
verbrauchten Atemwind hindurchschickt
ganz unerschrocken warten die Schatten
Balken knarzen als wüchse ein Gerücht 
knisternd hinein in diesen Raum
ich lösche das Kunstlicht ... psst
irgendwer duckt sich draußen
wart´s ab du im Vorstadt-Vorgarten 
wart´s nur ab
gleich ist die Nacht mein Trumpf
und dir entgegen fällt
einfach ins Schwarze hinein
aus dem Verborgenen mein Verlachen ...


Birgit Sarembe

"Der Maulaff"

 

Der Maulaff, ein durchaus possierliches Tier,
soll finden Beschreibung im Folgenden hier:

Zunächst zu seinem Lebensraum.
In Höhlen findet man ihn kaum.
Nur zur Not - zwecks besserer Sicht -
bleibt er auf dem Boden nicht
und klettert hoch auf einen Baum.
Gern hinter einem Absperrzaun,
sieht man ihn sich kraftvoll winden,
bis er ist ganz vorn zu finden.

Als Homo Sapiens meist getarnt
sei man vor ihm stets gewarnt.
Denn es gleicht sein ganzes Leben
dem eines normalen Menschen eben.

Ja, Maulaffen sind zu sichten
quer durch die Gesellschaftsschichten.
Anzutreffen auf dem Land,
auch in der Stadt sind sie bekannt,
im Tierpark oder Streichelzoo,
Hochhaus, Hotel, Bungalow.

Bevorzugt aber ist er wo
Skandale lauern mit oder ohne Niveau …
wenn Katastrophen bieten Thrill,
weil der Maulaff sowas will.

Sein Äußeres, streng anatomisch,
ist in der Regel recht harmonisch.
Charaktermäßig breit aufgestellt
lebt er ruhig in unserer Welt.

Mal gesetzt, mal ehr mobil,
mal anorektisch und grazil,
von mollig bis zu adipös,
gelassen oder auch nervös.

Jegliche Attribute, die wir kennen,
kann auch der Maulaff sein Eigen nennen.
Egal, ob scheu, ob selbstbewusst,
frönt er seiner größten Lust …
tut, was lieben Maulesaffen:
Einfach gaffen, gaffen, gaffen!

Darauf würde er mitnichten
und niemals freiwillig verzichten.
Will er es unerkannt verrichten,
hinter Tannen und auch Fichten,
gafft mit dem Fernrohr er unsichtbar
und man nimmt ihn fast nicht wahr.

Extrovertiert und ehr gesellig,
mal offen und mal unauffällig,
aggressiv, oder labil,
späht er aus sein liebstes Ziel!
Ja, Unfall, Feuersbrunst, Gebrechen,
sind für ihn ein wahrlich Zechen …
setzen Endorphine frei
und wenn´s noch so grausam sei.

Im Grenzbereich menschlicher Physiognomie
ruht sein Kinn auf Höhe der Knie.
Naja, nicht ganz … ich übertreibe,
wenn ich das Bild derart beschreibe.
Doch Kiefer auseinanderstreben,
bis dass am Brustbein sie fast kleben.

Die Spucke find´t die Kehle nicht,
und läuft in Rinnsalen übers Gesicht.
Sofern der Maulaff es registriert,
wird zwar die Mimik kontrolliert,
doch meistens wird ihm der Verlust
der Contenance gar nicht bewusst.

Quellenden Auges gierig starrend,
stundenlang am Ort verharrend.
Hände stützend in der Seite,
Ellbogen sperrig in die Breite,
um zu gelangen - man verzeihe -
in die allererste Reihe.

Hals fordernd in die Länge reckend,
Sabber vom Maulaffen-Mundwinkel leckend.
Fast wirkt es so, als wäre es Lust,
gepaart mit Realitätsverlust.

Natürlich nur, um generell
Hilfe zu leisten … eventuell.
Ja, vor mehr als zwei Dekaden
machte man – es kann nie schaden -
einen Kurs zum Retten Leben.
Nun ja, zumindest Pflaster-Kleben
gelingt auch heute noch ganz gut!
Drum ist der Maulaff voller Mut.

Wo man sieht das Blut pulsieren,
braucht man sich dafür nicht genieren,
will man sich unmittelbar platzieren,
um die Lage zu kontrollieren.

Die Helfer sind ja so gestresst.
Drum hält man´s mit dem Handy fest,
denn kommt die Sache vor Gericht,
sind Fotos wichtig sicherlich.

Schnell ein Selfie noch vor Ort,
um zu beweisen: Man war dort,
wo das Unglück ist geschehen
und man hat alles „life“ gesehen!

So einen offenen Bruch an Waden
kann man auf YouTube gut hochladen
… und auf Facebook präsentiert,
gibt´s 1000 Likes … garantiert!

Doch neulich, lasst mich euch berichten,
passierte im Traum mir ein Geschichtchen.

Ich wollt´ meinen abendlichen Krimi schauen -
mit wohlig viel Blut, Spannung, Mordesgrauen …
der tägliche Thriller im Abendprogramm.
Ich holte mir grad meine Chipstüte ran,
da sprang aus dieser ein Äffchen heraus
und grinste mich an … es war mir ein Graus.

Es zückte ein Bild, drauf war ich zu sehen,
mit offenem Maul und das Kinn auf den Knien,
den Hals lang gestreckt, das Aug´ aufgerissen,
lustvoll umklammernd mein Sofakissen,
genüsslich, gemütlich in weichen Socken,
gaffend vor der Glotze hocken.

Da wachte ich auf und wurde gewahr,
was für ein Maulaff ich selber doch war!


Karin Schäufler

"Ein Maulaff sitzt am schönen Main"

 

Ein Maulaff sitzt am schönen Main
und möcht' nicht mehr alleine sein:
Er wünscht sich eine Maulaff-Frau,
befindet sich auf Maulaff-Schau!

Wie soll sie sein, die Maulaff-Frau?
Das weiß der Maulaff ganz genau!
Oben, unten, vorne, hinten:
wohlgeformt - wär' das zu finden?

Auch was im Kopf und viel Humor:
Ja, das schwebt dem Maulaff vor!
Er träumt am Main versonnen weiter,
die Züge weich, die Miene heiter.

Der Maulaff schüttelt nun sein Haupt
- schon etwas schütter und ergraut:
die Maulaff-Frau sollt' schöner sein:
adrett und drall und hübsch und fein!

Er würd' die Maulaff-Frau verwöhnen,
sich nach 'nem Streit auch fix versöhnen,
er würd' ihr helfen, wo er kann:
Mit ihm - da wär' sie bestens dran!

Beim Waschen, Bügeln, Kochen, Putzen:
da will er indes gar nicht nutzen!
Ein Maulaff - der bleibt heldenhaft
und hat im Haushalt nie geschafft!

Der Maulaff schaut sich suchend um
nach einem solch Feniminum.
Wen könnte er wohl an sich binden?
Wer könnte für ihn künftig schinden?

Wir sind gespannt und warten mit,
wir schauen auch und halten Schritt,
mit unsrem Maulaff dort am Main,
der weiterträumt - und das allein...


Kurzgeschichten
Daniela Meier

"Bischhöfliche Verstimmung"

 

,Dieser portugiesische Hundsfott! Was erdreistet er sich Unser Gemüt so zu strapazieren? Bei einem Mann seines Standes und Könnens hätten Wir Uns mehr erwartet!'
Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal konnte seinen Ärger geschickt hinter einer freundlichen Maske verbergen, aber es kostete ihn einige Mühe.
Dabei hatte der Tag so vielversprechend begonnen. Zu Pferde war er zunächst mit Emanuel Joseph von Herigoyen durch das Nilkheimer Wäldchen gejagt, um etwas Wild zu erlegen. Nach einem feudalen Picknick hatten sie sich wieder in die Sättel geschwungen um seine Ländereien zu erkunden.
Entspannt war die Atmosphäre gewesen und so sprudelten aus dem Architekten und Bauingenieur Emanuel von Herigoyen viele neue Ideen und Einfälle nur so heraus. Nach einigen Umwegen hatte ihr Ausflug im Tal der Spiele geendet, wo man sich mit einem Caroussel oder Schaukelspiel die Zeit angenehm vertreiben konnte.
Eigentlich hatten sie Georg Louis von Coudenhoven erwartet, der sie nach seiner Ankunft in Aschaffenburg gleich mit seinem Besuch beehren wollte. Stattdessen kam jedoch seine Gattin Sophie über den Rasen zu ihnen geschwebt.
„Seid gegrüßt, lieber Friedrich,“ begrüßte sie freudestrahlend ihren Vetter. „Georg läßt sich entschuldigen, denn ihn hat leider einmal wieder die Reisekrankheit befallen und der Ärmste muß sich erst einmal von der strapaziösen Fahrt erholen. Daher bin ich gekommen, auch wenn ich nur ein leidlicher Ersatz für ihn bin.“
„Es tut Uns sehr leid um euren Gatten. Wir übermitteln ihm die besten Genesungswünsche. Allerdings hat er Uns dadurch auch die Freude bereitet, daß Wir schon heute Eurer ansichtig werden und nicht erst morgen. Dies ist übrigens Unser Architekt und Bauingenieur Emanuel von Herigoyen.“
Mit diesen Worten hatte sich der Erzbischof dem Vorgestellten zugewandt. Aber was sah er da? Dieser Mann – und er hatte angenommen, er sei einer von Welt – brachte nur ein gemurmeltes „Angenehm“ hervor und starrte mit offenem Munde seine Cousine an.
,Nun gut, sie ist ausgesprochen hübsch,' ließ Friedrich von Erthal insgeheim dem Gaffer Gerechtigkeit widerfahren. ,Aber muß er sie denn so anstarren? Noch dazu sind beide ähnlichen Alters und verheiratet. Wie sollten Wir als Erzbischof dieses Gestarre nicht als Affront gegen die guten Sitten sehen? Und wird nicht so auch die intelligente Sophie nur auf ihre Schönheit herabgewürdigt?'
Sophie von Coudenhoven erkannte die brisante Lage und verließ die Szene unter einem Vorwand.
Am Abend hatte sich der Groll des Erzbischofes gegen Emanuel von Herigoyen immer noch nicht gelegt. Er mußte zugeben, daß er den Mann mochte und konnte sich eine solide Freundschaft mit ihm vorstellen. Zudem war er ein intelligenter Mann und Meister seines Fachs. Er durfte den Portugiesen also nicht öffentlich zur Rede stellen oder zu direkt brüskieren. Aber seinem Ärger wollte er eben doch Luft machen. Da hatte Friedrich von Erthal eine zündende Idee. Als er am Abend mit seiner Cousine allein dinierte, da sein Schwager noch immer unpäßlich war, kam ihm zwischen der Vorspeise und dem ersten Hauptgang eine Idee.
„Liebe Cousine, Ihr könnt doch ausgesprochen gut zeichnen und habt Eure Kunst während unserer Trennung bestimmt noch vervollkommnet.“
„Lieber Vetter, leider bin ich noch weit davon entfernt als Künstler bezeichnet zu werden.“
„Ihr seid viel zu bescheiden, Sophie. Aber Wir haben dieses Thema auch mit einer gewissen Absicht angeschnitten. Würde es Euch viel Mühe bereiten, Uns heute eine Skizze von Emanuel von Herigoyens Profil und Vorderansicht mit den charakteristischsten Merkmalen anzufertigen? Das dürfte für Euch doch nur eine leichte Übung sein, da Wir wissen, daß Ihr zu jedem Gesicht, das Ihr schon einmal gesehen habt, ein naturgemäßes Portrait aus dem Gedächtnis zaubern könnt. Und Uns würdet Ihr damit eine ausgesprochene Freude bereiten.“
„Nun bin ich aber überrascht, lieber Friedrich! Ihr werdet doch nicht der katholischen Kirche zum Trotz auf Abwegen wandeln und Euch dem männlichen Geschlecht verschreiben. Ich habe gehört, von Herigoyen soll verheiratet sein?!“
Der Erzbischof lachte auf, als dies hörte, da ihm solch eine Deutung auf sein Ansinnen gar nicht gekommen war.
„Keine Sorge, liebe Cousine. Wir werden keineswegs als Liebeskranker hinter dem Portugiesen herwandeln und sein Bildnis in Unserer Geldbörse verstecken, um ein Andenken an ihn zu haben. Wir verfolgen ganz andere Pläne mit solch einer Skizze.“
Trotz mehrmaligen Drängens oder listigen Fragens konnte Sophie ihrem Vetter nicht sein Geheimnis entlocken. Da sie aber sehr neugierig war, was daraus werden würde, willigte sie ein und setzte sich an ihren Zeichenblock. Nach kurzer Zeit konnte sie ihrem Cousin eine treffende Skizze des Architekten überreichen, welche dieser mit einem dankenden, aber auch leicht amüsierten Gesichtsausdruck entgegennahm.
Am nächsten Tag ging Friedrich von Erthal, auf sein Gefolge und prächtige Gewänder verzichtend, zu den Bildhauern Hoffmann und Baumgärtner. Dort wurde er gleichwohl erkannt.
„Wir haben Uns für das Tal der Spiele eine neue Besonderheit einfallen lassen. Wir wünschen, daß Ihr Uns eine fast lebensgroße Figur anfertigt, die einen Spessart-Bauern in seiner üblichen Tracht darstellt. Wir stellen Uns einen richtig schönen Bauern mit grünem Rock, roter Weste, kurzer gelber Lederhose und Schnallenschuhen vor. Die Besonderheit bei dieser Figur soll aber sein, daß sie mit offenem Munde dasteht und Maulaffen feil hält. Sie soll den Mund richtig schön aufreißen und blöde, auf einen Stock gestützt, gaffen. Und macht ihm einen schönen, schwarzen Schiffhut, damit es Ihm nicht ins Maul regnet. Dazu wünschen Wir Kugeln, die man in den Mund hineinwerfen kann und welche dann hinten wieder herausgekugelt kommen.
Ach, eines hätten Wir doch fast vergessen. Hier ist die Skizze, wie das Gesicht des Maulaffen aussehen soll. Denkt Ihr, Ihr könnt dieses Machwerk innerhalb eines Monats fertigen?“
Zunächst bejahten beide Bildhauer, daß es kein Problem sei, den Wünschen seiner Exzellenz gerecht zu werden. Dann aber erkannte Hoffmann die Ähnlichkeit zwischen der Skizze und Emanuel von Herigoyen.
„Ja, jetzt wo Ihr es sagt, müssen Wir Euch Recht geben. Aber sonst wären Wir nie auf die Idee gekommen. Aber Ihr habt eben ein äußert künstlerisches Auge! Doch Wir denken, daß anderen diese Ähnlichkeit nie aufgefallen wäre und auch nicht auffallen wird.“
Wieder zu Hause, schickte er umgehend an Sophie und von Herigoyen eine Einladung für das festgesetzte Lieferdatum.
Und als der Tag endlich kam, wurde der Maulaff am späten Nachmittag in seinem Tal der Spiele aufgestellt, wo kurz darauf die beiden Eingeladenen eintrafen.
Emanuel von Herigoyen erstarrte, als er sich in der Figur wiedererkannte, sagte aber nichts. Auch Sophie erkannte die frappierende Ähnlichkeit und wußte nun um die Pläne ihres Vetters, den sie kurz mit einem scharfen Blick strafte. Und da sie die Spannung zwischen beiden Männern bemerkte, versuchte sie die Lage charmant zu entschärfen.
„Oh, das ist aber ein niedlicher, kleiner Kerl! Wenn er nicht so Maulaffen feilhalten würde, könnte man ihn als richtig gutaussehend bezeichnen. Aber warum steht er denn im Tal der Spiele?“
„Man versucht diesem ewigen Gaffer mit einer Kugel das Maul zu stopfen, die er dann als schwerverdauliche Kost wieder ausscheidet,“ sagte Friedrich darauf viel weniger charmant.
„Und wie gefällt er Euch? Haben sich die beiden Bildhauer Hoffmann und Baumgärtner nicht selbst übertroffen?“, wandte er sich an seinen Baumeister.
Dieser hatte wieder seine Fassung gefunden und den Wink durchaus verstanden. Der Portugiese lachte laut auf und meinte dann mit einem Augenzwinkern:
„Ja, ja, es handelt sich in der Tat um ein wahres Kunstwerk. Wen immer dieser Gaffer dastellt: Es mußte ihm unbedingt ein Denkmal gesetzt werden. Aber an wen erinnert er  mich denn? Ich komme nicht darauf!“
Alle drei lachten und verweilten bis zur Dämmerung im Tal der Spiele, um dem Maulaffen das Maul zu stopfen.


Melanie Köhler

"Servus"

 

Ich stand im Museumssaal auf meinem Sockel und wollte nur noch weg. Denn zwar war ich als Wahrzeichen eine kleine Berühmtheit; aber dieses Leben war wahrlich kein Zuckerschlecken. Jahrelang hatte man mich mal hier, mal da in Häusern, Parks oder Museen aufgestellt in dieser Stadt, wo so wenig passierte, dass gerade ich als Sensation herhalten musste. Und ich, hölzern und ein bisschen zu groß, hatte all die Jahre stoisch Haltung bewahrt, während Schulkinder höhnisch meinen offenen Mund nachäfften oder mich irgendwelche Herren mit Billardkugeln bewarfen. Aber genug ist genug! Ich schnaufte enerviert. Vor dem Fenster zwitscherten die Meisen einander zu, dass man anderswo viel respektvoller mit Wahrzeichen umging. Mir reicht´s, befand ich also trotzig, nachdem der Museumswächter den Abendrundgang beendet hatte, zückte meinen Holzstab und huschte durch die Tür. Servus!

Ich wanderte und wanderte, und als es wieder Tag wurde, fand ich mich wieder in einer wunderschönen Altstadt aus Stein und bunt verzierten Häusern. Ich hatte keine Ahnung, wo ich war, wahrscheinlich in Japan, denn es liefen unzählige Einheimische durch die verwinkelten Gassen. Es musste zudem ein Land sein, in dem es die Sklaverei noch gibt, denn überall flanierten reich aussehende Damen mit Lakaien, die Sklavenmarken an ihren Ringfingern trugen und ächzend Einkaufstüten schleppten. Ich folgte der geschäftigen Menge, bog um eine Ecke und noch eine und gelangte schließlich durch einen Torbogen in einen lauschigen Innenhof, wo mich eine junge Frau aus Bronze durchdringend anstarrte. Bestimmt war sie eine Gottheit oder mindestens ein Seifenopernsternchen, denn die Menschen schienen alle wegen ihr hier zu sein und machten aufgeregt Selfies vor der Schönen. Da erst bemerkte ich schockiert, dass diese Infamen in khakifarbenen Shorts, eng ums Bäuchlein spannenden Polohemden und weißen Tennissocken in wüstbraunen Trekkingsandalen der Bronzegestalt dabei wie selbstverständlich an der Brust herum fummelten.

Oh Grundgütiger!, entfuhr es mir. Come?, fragte sie und schaute mich weiterhin durchdringend an. Wer bist Du denn?, fragte ich zurück. Ah, sono Giulietta, antwortete sie. Dann bin ich gar nicht in Japan, stellte ich interessiert fest. Pah. Du bist im Land der Schutzpatronin der wahren Liebe, leierte sie herunter. Oh, das ist natürlich bedeutungsvoll, flüsterte ich: So ein Wahrzeichen wäre ich gerne! Sie spuckte die Worte fast: Findest Du? Sieh doch selbst: Tagsüber begrapschen irgendwelche Leute meine Oberweite. Und diese schnulzigen Liebesschwüre! Silvio, dieser Hallodri, ist heute schon zum dreizehnten Mal hier, um einer anderen Dame ewige Treue zu schwören! Sie schnaubte: Und nachts steh ich blöd rum, denn Romeo lässt sich ja nie blicken. Da man mir die Hände ans Gewand gegossen hat, kann ich mich nicht mal vor lauter Langeweile maniküren. Oh, erwiderte ich. Das tut mir leid. Sie seufzte: Mir auch. Aber erzähl, wie sind die Arbeitsbedingungen für Wahrzeichen bei Euch denn so?

Ich überlegte: Ich habe ein feines schattiges Plätzchen in einem Museum, erzählte ich. Die Leute schauen zwar, aber sie fassen mir nicht einfach mal so an den Rockschoss. Und im Großen, Ganzen, ist es im Städtchen bei uns sehr gemütlich. Giuliettas Augen funkelten sehnsüchtig: Das klingt wundervoll. Und was mich anbetrifft, so finde ich auch, ich habe etwas Besseres verdient - sagt übrigens auch die Gewerkschaft der Wahrzeichen! Eine Gewerkschaft? Wäre mein Mund nicht schon offen, spätestens jetzt wäre mir die Kinnlade heruntergeklappt. Giulietta nickte gewichtig: Die hab ich gegründet zusammen mit der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen, denn die hat das ganze Gegrapsche auch über. Die Imperia in Konstanz wiederum hätte gern einen Schlechtwetterzuschlag. Und die Freiheitsstatue einen ordentlichen Sonnenschirm! Aber ich finde, das ist noch viel zu zahm. Wir müssen ein Exempel statuieren! Und ich weiß auch schon, wen wir als nächstes befreien! Sie nickte heftig. Ein japanischer Tourist zuckte zusammen, und eine ältere Italienerin schrie auf: Miracolo! Ein Wunder! Ich zuckte nur die Schultern und tat so, als wäre nichts. Sobald es dunkel ist, treffen wir uns am Stadttor!, wisperte Giulietta, blieb wieder unbeweglich in ihrer Pose und rollte nur einmal kaum merklich mit den Augen, als ein Japaner forsch an ihren Busen fasste, in sein Smartphone grinste und vergnügt so etwas wie Obi Wan Kenobi ausrief. Abgemacht, flüsterte ich Giulietta zu und verließ den Innenhof, um draußen vor der Stadt fernab des Trubels auf sie zu warten.

Kaum war es dunkel, wanderten wir gemeinsam los, und als es Tag wurde, erreichten wir eine altehrwürdige Stadt, wo die Leute ziemlich komisch redeten, sogar für mich als Franke. Giulietta zerrte mich im Eiltempo durch die Viertel aus alten und neuen Backsteinbauten, vorbei an Souvenirläden und Schokoladenboutiquen, bis wir schließlich vor einem kleinen Männchen standen, das am helllichten Tag ungeniert in einen Brunnen pinkelte. Ich zog verwundert meinen Hut: Grüß Gott! Dag, erwiderte das Männchen, ohne mit dem Pinkeln aufzuhören. Ich zog missbilligend eine Augenbraue nach oben: Hm, hm, hier sind Damen, räusperte ich mich. Na dann Mund zu, es zieht, zischte das Männchen, und das hätte ich wirklich gerne getan, denn diesem frechen Kerl war wohl alles zuzutrauen. Wir taxierten einander, bis Giulietta mich in die Seite stieß: Jetzt hört doch auf! Männliche Wahrzeichen unter sich, wie die Gockel! Ich zuckte mit den Schultern: Er hat angefangen! Er? Es!, dozierte Giulietta: Das ist nämlich das Manneken Pis. Weltberühmt! Na immerhin, murmelte ich neidisch. Spinnst Du? Das Männchen winkte müde ab: Es gibt wahrlich besseres als nackig und pinkelnd in die Weltgeschichte einzugehen, während Bänker, Abgeordnete, ObiWanKenobis und wie sie alle heißen davor Maulaffen feilhalten... Ich zuckte zusammen: Wusste er denn, wer ich bin? Das Manneken Pis seufzte abgrundtief. Siehst Du, was ich meine? Wir Wahrzeichen werden ausgebeutet und erniedrigt, sogar die Stars, gestikulierte Giulietta bedeutungsvoll, bevor ich nachfragen konnte.

Das Männchen nickte zustimmend: Und Du, wo kommst Du so her? Weshalb bist Du geflohen? Es muss ja wirklich schlimm sein, wenn Du den ganzen weiten Weg hierher mit offenem Mund und am Stock gegangen bist. Ich wurde rot, zog die Stirn kraus und überlegte. Ja, äh, begann ich unsicher. Also, wo ich herkomme, da... Ist es lauschig und schattig, fiel mir Giulietta schwärmerisch ins Wort: Er steht in einem klimatisierten Raum, und niemand betatscht ihn! Das Männlein musterte mich erstaunt und ein wenig ungehalten von oben bis unten: Und da bist Du abgehauen? Wie undankbar! Giulietta winkte ab: Immerhin hat er mich dazu inspiriert, endlich von meinen Rechten im Zuge der UN-Konvention für Wahrzeichen Gebrauch zu machen. Ich werde jetzt als allernächstes der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen Bescheid geben, dass die Revolution begonnen hat! Sie wirbelte herum und flötete beim Weglaufen: Und dann der Imperia! Und der Statue of Liberty, und... Und, so schnell konnte ich gar nicht schauen, da sprang auch das Männchen vom Brunnenrand, lächelte mir kurz zu und verschwand mit Giulietta im Gewühl.

Ich wiederum staunte nur kurz, dann fasste ich einen Entschluss. Ich wanderte die ganze Nacht, bis endlich die lieblichen Heimathügel vor meinem Auge auftauchten und die Aschaff wie Musik in meinen Ohren plätscherte. Und als man morgens in allen Zeitungen las: New York: Skandal! Die Freiheitsstatue ist weg! Kopenhagen: Rätsel um das Verschwinden der Meerjungfrau. Brüssel: Die Suche nach Manneken Pis, stand ich schon längst wieder im Museum, stützte mich behaglich auf meinen Stock und genoss meinen Ehrenplatz und die schattige Kühle, hier im schönen Aschaffenburg, wo die Wahrzeichen es weitaus besser haben als sonstwo.


Der Rest ist Schweigen

"Der Rest ist Schweigen"

 

»Ich sterbe«, sagte Paul als er sich schwerfällig von seinem Platz in der ersten Reihe des Aschaffenburger Stadttheaters erhob und ächzend den Rücken durchstreckte. »Ich sterbe, wenn ich noch eine Minute länger auf diesem Stuhl verbringen muss.«
Linda musterte ihn belustigt. »Das war doch nicht dein erster Theaterbesuch, oder?«
»In der Schule wurden wir mal von unserem Deutschlehrer hingeschleift.«
»Und dann heute gleich Hamlet. Das war wohl etwas voreilig von mir. Aber du warst tapfer und hast dir ein Steak verdient.«
Am liebsten wäre Paul vor Scham im Boden versunken. Er war doch nur ein einfacher Verwaltungsangestellter im Rathaus, der Personalausweise ausstellte und Autos zuließ. Linda dagegen war gebildet und kultiviert. Ein Wunder, dass sie sich überhaupt mit ihm abgab.
Vor zwei Wochen hatte sie ihn im Fitnessstudio angesprochen. Danach hatten sie ein paar Mal gemeinsam trainiert. Paul hatte sich nichts dabei gedacht und schon gar nichts erhofft, bis Linda ihn mit der Einladung ins Theater überraschte. Er hatte sofort zugesagt, ehe ihn Zweifel beschleichen konnten.
Obwohl es schon nach elf war, hing noch die Hitze eines tropischen Julitages in der Luft. Paul und Linda traten ins Freie und überquerten den illuminierten Theaterplatz. Plötzlich hielt Linda inne. Sie deutete auf die abgebrannten Kerzen und die verwelkten Blumensträuße, die am Rand der Sonnenuhr auf dem hellen Granit lagen. Ein einzelnes Grablicht flackerte neben dem gerahmten Portrait einer jungen Frau.
»Was ist hier passiert?«
»Letzten Monat ist eine Joggerin auf dem Platz zusammengebrochen. Herzstillstand. Der Notarzt hat versucht, sie wiederzubeleben, aber es war zu spät. Ich hatte gerade Mittagspause und saß dort drüben im Café.«
Sie schwiegen den Rest des Weges, bis sie im Maulaff angekommen waren, wo Linda einen Tisch reserviert hatte. Sie saßen im Außenbereich unter einem Sonnensegel, das im Wind flatterte. Paul bestellte Bier und ein argentinisches Rumpsteak, Linda einen Salatteller mit gebratenen Shrimps. Den vom Kellner nachdrücklich empfohlenen Wein lehnte Linda kühl ab.
»Das Stück hat dir nicht gefallen, stimmt’s?«
Da war sie, die Frage, vor der sich Paul schon den ganzen Abend gefürchtet hatte. Er verknotete seine zittrigen Finger ineinander. »Es war ziemlich verworren. Ich glaube, ich habe nicht alles verstanden.«
Linda fächelte mit einer Serviette, um die Mücken zu vertreiben. »Ich will nicht behaupten, dass ich Shakespeare völlig verstehe. Komplexer als ein Tatort ist die Handlung schon. Zumal das Drama in dieser Inszenierung recht frei interpretiert wurde. Im Kern ist es ein einziger Rachefeldzug. Hamlet möchte seinen toten Vater rächen und stürzt dabei alle Beteiligten ins Unglück.«
»Und am Ende sind alle tot.«
»Das erwarten die Leute, schließlich ist es eine Tragödie!«
Der Kellner brachte das Essen. Während sich Paul gierig über das Fleisch hermachte, stocherte Linda lustlos in ihrem Salat. Das Gespräch verlor sich in Nichtigkeiten.
Als Paul mit einem Stück Baguette die letzten Tropfen vom Teller gewischt hatte, sah er Linda unverwandt an. »Was machen wir hier eigentlich?«
Linda schien einen Moment konsterniert. Sie nippte am Wasserglas. »Was meinst du?«
»Es ist doch offensichtlich, dass du zwei Klassen höher spielst. Ich muss eine riesige Enttäuschung für dich sein. Wieso gehst du mit mir aus?«
»Rede keinen Quatsch. Okay, das Theater war nicht die beste Idee. Aber ich weiß was Besseres. Ich habe ein kleines Ruderboot am Silbersee in Niedernberg. Nachts rauszufahren, ist immer ein tolles Erlebnis. Wir haben den ganzen See für uns allein.«
»Du weißt doch, dass ich nicht schwimmen kann.«
»Keine Sorge, ich war deutsche Jugendmeisterin im Doppelvierer. Ich beherrsche das Boot. Wieso sollten wir kentern?«
»Ich glaube, da ist ein Gewitter im Anmarsch.«
»Ach was, du bist nur zu feige. Komm, gib dir einen Ruck.«

Verlassen und entrückt lag der Silbersee da. Die Dunkelheit verschluckte ihn fast. Vom Mond war nur eine dünne Sichel zu sehen. Die Wasseroberfläche war schwarz bis auf die Wellen, die gemächlich gen Ufer rollten. Auf ihren Kronen glitzerte das schwache Mondlicht. Am Horizont erschienen erste Wolken und wenn man genau hinsah, konnte man bereits die Blitze ausmachen, die darin zuckten.
Linda führte Paul auf das Gelände des örtlichen Segelclubs. Auf einer Wiese standen die abgedeckten Boote. Das Boot, auf das Linda zusteuerte, war winzig. Mit Schwung entfernte sie die blaue Plane. Die Nussschale hatte einen kleinen Mast, an dem das Segel fehlte. Gemeinsam trugen sie das Boot ans Ufer und über einen Steg, der einige Meter in den See hineinragte. Sie setzen es ins Wasser. Linda stieg ein und streckte ihre Hand aus. Paul zögerte.
»Mir wird schon schlecht, wenn ich das schaukelnde Ding bloß sehe.«
»Na los, wir drehen nur eine kleine Runde.«
Paul griff nach Lindas Hand und ließ sich in das Boot ziehen. Auf dem wankenden Boden ging er wie auf Wackelpudding.
Schweigend ruderte Linda hinaus. Allmählich frischte der Wind auf. Aus der Ferne drang erstes Donnergrollen zu ihnen. Paul realisierte, dass er keine Schwimmweste trug.
»Wir sollten umkehren. Das Gewitter geht gleich los.«
Linda reagierte nicht und ruderte weiter. Erst als sie in der Mitte des Sees angelangt waren, ließ sie die Skulls los. Ein greller Blitz erleuchtete für die Dauer eines Wimperschlags die Nacht. In diesem Moment konnte Paul tiefe Verbitterung in Lindas Gesicht erkennen.
»Was ist los, Linda? Wir müssen sofort zurück. Hier geht gleich die Welt unter.«
»Erinnerst du dich an die Frau, die letzten Monat auf dem Theaterplatz gestorben ist.«
»Natürlich.«
»Das war meine Schwester Lena. Plötzlicher Herztod mit 29.«
»Ein furchtbares Unglück, aber man konnte nichts dagegen tun.«
Linda lachte höhnisch auf. »Im Rathaus, nur 50 Meter von dir entfernt, war ein Defibrillator. Jeden Tag gehst du daran vorbei. Damit hätte man Lena noch reanimieren können. Du hättest ihr das Leben retten können. Stattdessen hast du danebengestanden und zugesehen, wie sie gestorben ist. Du bist mir auf dem Foto in der Zeitung aufgefallen, mit deinem offenen Mund neben all den anderen Gaffern.«
Inzwischen türmten sich die Wolken am Himmel zu bedrohlichen Massiven auf. Regen hatte eingesetzt. Der Sturm peitschte ihnen die Tropfen ins Gesicht. Blitz und Donner trennten nur noch Sekundenbruchteile.
Linda tastete über die Bootsplanken, dann zog sie an etwas, wodurch ein Gluckern ausgelöst wurde. Unvermittelt stand sie auf und sprang in den See. Paul konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen. Erst als er bemerkte, dass seine Füße in einer Pfütze standen, wurde ihm klar, was passiert war. Das Boot hatte ein Leck und lief voll Wasser.
Linda schwamm in Rückenlage neben dem schaukelnden Boot her und rief Paul etwas zu: »Vielleicht hast du Glück, jemand fasst sich ein Herz und rettet dich. Aber wenn du Pech hast, werden alle nur am Ufer stehen und gaffen. Hinterher werden sie bestürzt sein und sich gegenseitig versichern, dass man nichts tun konnte. Dann werden sie Blumen, Kerzen und Fotos aufstellen, eine Trauerfeier abhalten, eine Gedenktafel anbringen. Und irgendwann werden sie dich vergessen.«
Sie stieß sich mit dem Fuß vom Boot ab und kraulte los. Im hohen Wellengang musste sie um jeden einzelnen Meter kämpfen. Nach einigen kräftigen Zügen hatte sie sich so weit vom Boot entfernt, dass es in der Dunkelheit verschwunden war. Pauls Hilfeschreie wurden immer leiser, bis sie gänzlich von Donner und Regen übertönt wurden.
Am Ufer waren Lichter aufgetaucht. Ein Gewirr aufgeregter Stimmen wurde von einer Böe über den See getragen. Daraufhin änderte Linda ihre Richtung, um nicht sofort entdeckt zu werden. Plötzlich fuhr ihr ein fürchterlicher Krampf ins rechte Bein. Ein unerträglicher, lähmender Schmerz breitete sich in ihrem Körper aus. Panisch ruderte sie mit den Armen und versuchte den Kopf über Wasser zu halten. Sie spürte, wie ihre Kräfte schwanden, wie sie der Schwerkraft immer weniger entgegenzusetzen hatte, wie sie unaufhaltsam in die Tiefe gezogen wurde.


Generelle Anfragen bitte an: redaktion@main-reim.de  

 


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